Das
Scheitern der Globalisierung war
vorherzusehen! Manfred
J. Müller Es
konnte einfach nicht gutgehen: Eine globale wirtschaftliche
Anarchie, wie sie in Wahrheit die Globalisierung
darstellte, war von vornherein zum Scheitern
verurteilt. Eigentlich
kann es niemanden verwundern: In einem völlig unfairen
Wettbewerb, in dem Arbeitskosten von 50 Cent und 30 Euro
mit voller Wucht aufeinanderprallen, in einem Markt, in
dem Unternehmenssteuern, Subventionen, Umwelt- und
Arbeitsschutzmaßnahmen extrem auseinanderdriften,
musste es früher oder später zum Crash
kommen. Seit
Jahrzehnten habe ich öffentlich vor der absurden
Globalisierungs-Ideologie gewarnt. In Leitartikeln und
Büchern habe ich unermüdlich klarzumachen
versucht, dass die anheimelnde Idee vom zollfreien
Welthandel ins Verderben führt. Denn
der Verzicht auf angemessene Importzölle bedeutet die
totale Machtumkehr - in einem intakten, durch
Zollgrenzen geschützten Binnenmarkt hält der Staat
die Zügel in der Hand. Verzichtet der Staat auf dieses
wichtigste Privileg, regiert das Kapital, wird die
Menschheit zum Spielball von Spekulanten und Investoren
(Kapitalistisches
Ermächtigungsgesetz). Die
Lobbytruppen des Großkapitals haben es in der
Vergangenheit verstanden, den Zoll-Protektionismus zu
ächten - wohl wissend, dass der daraus resultierende
globale Dumpingwettbewerb die verzweifelten Regierungen in
einen (auf Dauer unbezahlbaren) Subventions-Protektionismus
zwingt (Näheres). Seit
etwa 30 Jahren beobachten wir in den westlichen
Industrienationen das Kuriosum, dass Wirtschaft und vor
allem die Produktivität wachsen, aber trotzdem die
Reallöhne sinken (in Deutschland um ca. 15
Prozent). Normalerweise hätte sich im gleichen Zeitraum
aber eine Verdoppelung des Wohlstands (bedingt durch die
technischen Fortschritte) ergeben müssen. Ich
habe seit Anbeginn klarzumachen versucht, dass die
Globalisierung
(der Verzicht auf Zölle) abartig und aberwitzig sei und
der Irrweg irgendwann in der Katastrophe enden werde. Meine
Prophezeiungen haben sich leider bewahrheitet. Weltweit
müssen nun Billionen von Steuergeldern eingesetzt
werden, um den notleidenden Banken und Konzernen (die sich
zuvor an der Globalisierung bereichert haben) unter die Arme
zu greifen und die Weltwirtschaft wieder in Schwung zu
bringen. Aber
immer noch wagt kein wichtiges Regierungsmitglied
einzugestehen, dass das gigantische
Globalisierungs-Experiment gescheitert ist! Mit
gepumpten
oder frisch gedruckten
Geldern
wird versucht, den grausamen globalen Dumpingwettbewerb am
Leben zu erhalten. Wehe dem, der es wagt, diesem riskanten
und unseriösen Monopoly durch Anheben der
Importzölle ein Ende zu setzen. Dabei
geht es in der jetzigen prekären Situation eigentlich
nur darum, wer zuerst zur Vernunft kommt. Russland
hat bereits Fakten geschaffen - es hat die Zölle
für Importautos drastisch angezogen. Allgemein
wird man zu alten Werten zurückkehren müssen.
Das bedeutet vor allem: wir brauchen wieder Gerechtigkeit,
auch im Welthandel. Ein ungerechter globaler
Produktionswettbewerb, der das Prinzip der Marktwirtschaft
ad absurdum führt, kann nicht ewig aufrechterhalten
werden. Kommentar
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Manfred J. Müller, Flensburg
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Container
im Hamburger Hafen. Wer profitiert von der ständigen
Zunahme des Warenaustausches, der sogenannten
internationalen Arbeitsteilung? Deutschland sicherlich
nicht, denn hierzulande sinken seit 30 Jahren die
Reallöhne (trotz Verdoppelung der
Produktivität).
Statt Gelder durch Zölle einzunehmen (mit dessen Hilfe
die Sozialsysteme teilfinanziert werden könnten)
müssen Unternehmenssteuern gesenkt, niedrige Löhne
bezuschusst und großzügige Investitionshilfen
gezahlt werden, um dem ständigen Auslagerungsdruck zu
mäßigen.
Je schneller wir das einsehen, je eher wir den globalen
Dumpingwettbewerb durch eine Reaktivierung der Zollgrenzen
beenden, um so rascher werden wir die sich aufbäumende
Weltwirtschafts- und Staatsschuldenkrise überwinden
können.
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue
Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.