Brauchen wir die Globalisierung, können wir auf Zölle wirklich verzichten?
Container im Hamburger Hafen. Wer profitiert von der ständigen Zunahme des Warenaustausches, der sogenannten internationalen Arbeitsteilung? Deutschland sicherlich nicht, denn hierzulande sinken seit 30 Jahren die Reallöhne (trotz Verdoppelung der Produktivität).

 

Das Scheitern der Globalisierung war vorherzusehen!

Manfred J. Müller

 

Es konnte einfach nicht gutgehen: Eine globale wirtschaftliche Anarchie, wie sie in Wahrheit die Globalisierung darstellte, war von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Eigentlich kann es niemanden verwundern: In einem völlig unfairen Wettbewerb, in dem Arbeitskosten von 50 Cent und 30 Euro mit voller Wucht aufeinanderprallen, in einem Markt, in dem Unternehmenssteuern, Subventionen, Umwelt- und Arbeitsschutzmaßnahmen extrem auseinanderdriften, musste es früher oder später zum Crash kommen.

Seit Jahrzehnten habe ich öffentlich vor der absurden Globalisierungs-Ideologie gewarnt. In Leitartikeln und Büchern habe ich unermüdlich klarzumachen versucht, dass die anheimelnde Idee vom zollfreien Welthandel ins Verderben führt.

Denn der Verzicht auf angemessene Importzölle bedeutet die totale Machtumkehr - in einem intakten, durch Zollgrenzen geschützten Binnenmarkt hält der Staat die Zügel in der Hand. Verzichtet der Staat auf dieses wichtigste Privileg, regiert das Kapital, wird die Menschheit zum Spielball von Spekulanten und Investoren (Kapitalistisches Ermächtigungsgesetz).

Die Lobbytruppen des Großkapitals haben es in der Vergangenheit verstanden, den Zoll-Protektionismus zu ächten - wohl wissend, dass der daraus resultierende globale Dumpingwettbewerb die verzweifelten Regierungen in einen (auf Dauer unbezahlbaren) Subventions-Protektionismus zwingt (Näheres).
Statt Gelder durch Zölle einzunehmen (mit dessen Hilfe die Sozialsysteme teilfinanziert werden könnten) müssen Unternehmenssteuern gesenkt, niedrige Löhne bezuschusst und großzügige Investitionshilfen gezahlt werden, u
m dem ständigen Auslagerungsdruck zu mäßigen.

 

Seit etwa 30 Jahren beobachten wir in den westlichen Industrienationen das Kuriosum, dass Wirtschaft und vor allem die Produktivität wachsen, aber trotzdem die Reallöhne sinken (in Deutschland um ca. 15 Prozent). Normalerweise hätte sich im gleichen Zeitraum aber eine Verdoppelung des Wohlstands (bedingt durch die technischen Fortschritte) ergeben müssen.

Ich habe seit Anbeginn klarzumachen versucht, dass die Globalisierung (der Verzicht auf Zölle) abartig und aberwitzig sei und der Irrweg irgendwann in der Katastrophe enden werde. Meine Prophezeiungen haben sich leider bewahrheitet.

Weltweit müssen nun Billionen von Steuergeldern eingesetzt werden, um den notleidenden Banken und Konzernen (die sich zuvor an der Globalisierung bereichert haben) unter die Arme zu greifen und die Weltwirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Aber immer noch wagt kein wichtiges Regierungsmitglied einzugestehen, dass das gigantische Globalisierungs-Experiment gescheitert ist! Mit gepumpten oder frisch gedruckten Geldern wird versucht, den grausamen globalen Dumpingwettbewerb am Leben zu erhalten. Wehe dem, der es wagt, diesem riskanten und unseriösen Monopoly durch Anheben der Importzölle ein Ende zu setzen.

Dabei geht es in der jetzigen prekären Situation eigentlich nur darum, wer zuerst zur Vernunft kommt. Russland hat bereits Fakten geschaffen - es hat die Zölle für Importautos drastisch angezogen.

Allgemein wird man zu alten Werten zurückkehren müssen. Das bedeutet vor allem: wir brauchen wieder Gerechtigkeit, auch im Welthandel. Ein ungerechter globaler Produktionswettbewerb, der das Prinzip der Marktwirtschaft ad absurdum führt, kann nicht ewig aufrechterhalten werden.
Je schneller wir das einsehen, je eher wir den globalen Dumpingwettbewerb durch eine Reaktivierung der Zollgrenzen beenden, um so rascher werden wir die sich aufbäumende Weltwirtschafts- und Staatsschuldenkrise überwinden können.

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg

 


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