Warum
wird der Erfolg des Zoll-Protektionismus so energisch
bestritten? Manfred
J. Müller In der
Abhandlung "Wer
trägt Schuld an der Weltwirtschaftskrise der
frühen 1930er Jahre?"
habe ich versucht darzustellen, wie die schwere
Wirtschaftskrise damals mit Hilfe des Zoll-Protektionismus
überwunden wurde. Die
Frage ist noch offen, warum dieser Tatbestand auch heute
noch so vehement verleugnet wird. Man sollte doch eigentlich
froh sein, ein probates Rezept gegen eine
Weltwirtschaftskrise gefunden zu haben. Warum also diese
sture Ablehnung des Zoll-Protektionismus? 1.
Importzölle sind gleichbedeutend mit der Entmachtung
des Kapitals 2.
"Alles, was die Nazidikatur verzapft hat, war schlecht!" Man
verfährt in etwa nach dem Motto, dass alles, was die
Nazischergen damals angestellt hatten, falsch und von Grund
auf böse war. Erfolge passen da nicht ins Bild - das
mussten auch schon manche Prominente erfahren, die es
wagten, nicht ausnahmslos alle Nazi-Verfügungen im
Bausch und Bogen zu verteufeln. Es
scheint in Deutschland immer noch die Doktrin zu gelten,
sämtliche Nazi-Initiativen zu verdammen. Dies halte
ich für einen ganz gefährlichen Reflex - es
kann doch nicht alles grundsätzlich falsch sein, nur
weil es von Nazis ersonnen oder betrieben wurde. Der
Hintergrund dieser prinzipiellen Verurteilung von allem, was
mit der Nazidiktatur in Zusammenhang gebracht werden
könnte, scheint die latente Angst vor einer Renaissance
des Nationalsozialismus. Bei
dieser "stummen grauen
Masse"
(wie Göbbels zu sagen pflegte) könnten positive
Aspekte des Naziregimes missverstanden werden. Wenn
eingestanden würde, dass der Nationalsozialismus
tatsächlich das Massenelend besiegt und binnen weniger
Jahre die Wirtschaftsleistung verdoppelt hatte, könnte
dies zu einem unliebsamen Imagegewinn der Nazidiktatur
führen und die Schrecken des Holocaust und des
Weltkrieges relativieren. Dennoch
sehe ich keine Gefahr des Aufkeimens einer übertrieben
nationalistischen Grundeinstellung in Deutschland. Das
Nazi-Desaster hat sich tief in die Herzen und Seelen der
deutschen Bevölkerung eingebrannt - einen abgehobenen
Nationalstolz, eine egoistische Nationalpolitik und ein
krankhaftes Überlegenheitsgefühl gegenüber
anderen Völkern wird es hierzulande ganz im Gegensatz
zu manch anderen europäischen Staaten auf weit
absehbare Zeit nicht geben. 3.
Würde Hitlers Wirtschaftsprogramm von 1933
gutgeheißen, würde sich die Kriegsschuldfrage der
Deutschen neu stellen! Würden
aber die Erfolge des NSDAP-Wirtschaftsprogramms von 1933
eingestanden, könnte man deren Wähler nicht
mehr allesamt als Idioten, Antisemiten oder
Kriegslüstlinge abstempeln. Damit
wären die späteren Schuldzuweisungen an das
deutsche Volk weitgehend unhaltbar. Kann man einem Volk
einen Vorwurf machen, wenn es nicht hellsehen kann? Konnte
man vom politisch ungebildeten Arbeiter erwarten, dass er
1933 die krankhafte Entwicklung des charismatischen
Führers und seine spätere Drogenabhängigkeit
und Geistesgestörtheit vorausahnte? Hitler
hat in seinen Wahlkampfreden häufig vom Weltfrieden
gesprochen, den es zu bewahren galt. Konnte der einfache
Bürger Hitlers heuchlerische Reden als
Propagandalüge durchschauen? 4.
"Hitlers Konjunkturprogramm war allein auf einen
späteren Weltkrieg ausgerichtet!" Im
Nachhinein kann man natürlich leicht sämtliche
Investitonsmaßnahmen als Aufrüstung deklarieren.
Dann wird der Autobahnbau nicht mehr als eine
zukunftsweisende Verbesserung der Infrastruktur gesehen,
sondern nur in dem Zusammenhang, dass später einmal
Panzer darauf rollen konnten. Der soziale Wohnungsbau
zählt dann nicht mehr als familienfreundliche
Unterstützungmaßnahme sondern diente nur dazu,
eines Tages die Soldatenfamilien unterzubringen. Die
"Kraft-durch Freude"-Urlaubsschiffe wurden demnach nur
gebaut, um im Kriegsfall Truppentransporte unterstützen
zu können usw. Sicher
hat Hitler im steigenden Umfang echte Aufrüstung
betrieben, also die Produktion von Panzern, Kriegsschiffen
und Jagdflugzeugen angekurbelt, um mit den anderen
europäischen Großmächten gleichziehen zu
können. 5.
"Das Nazi-Konjunkturprogramm hätte in den
Staatsbankrott geführt!" Hitler
brauchte also den Krieg, um den Bankrott abzuwenden - eine
einfach absurde Auslegung. Absurd schon deshalb, weil in der
damaligen nationalistischen Phase Auslandskredite nur im
geringen Maße in Anspruch genommen wurden und eine
Verflechtung mit der internationalen Finanzwelt kaum
bestand. Wurde
etwas falsch dargestellt? Ich
habe diesen Artikel nach bestem Wissen und Gewissen
verfasst. Sollte ich dennoch etwas falsch oder unsachlich
dargestellt haben, so bitte ich um Mitteilung. Auch wenn Sie
gesicherte Zahlen mit Quellenangabe über
Produktionszahlen der 30iger Jahre haben, wäre ich
für eine Übermittlung dankbar (meine
Email-Adresse: m.mueller@iworld.de). Kommentar
zu diesem Artikel (Nr. 1213) abgeben? Ergänzende
Artikel: Ursachen
und Folgen der Weltwirtschaftskrisen Die
wahren Ursachen der Bankenkrise 2008 werden noch verkannt!
Wer
trägt Schuld an der Weltwirtschaftskrise der 1930er
Jahre? Die
Tücken des
Liberalismus
(die Wirtschaftskrise der 1870er Jahre) Home
(Eingangsseite
www.weltwirtschaft-globalisierung.de) ©
Manfred J. Müller, Flensburg
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Kein
Erbarmen mit den Landwirten?

Wer
absurd hohe Kapitalrenditen einfahren will, kann dies nur in
einem offenen (weitgehend zollfreien) Weltmarkt. Nur der
ungebremste Liberalismus
gestattet es, die Staaten und Völker dieser Welt
gegeneinander auszuspielen (Lohn-, Sozial-, Öko- und
Steuerdumping). Importzölle im eigenen Land würden
die Macht des Kapitals und ihr Erpressungspotential
erheblich einschränken (Kapitalistisches
Ermächtigungsgesetz).
Um ihre Pfründe nicht zu gefährden, wird deshalb
auch heute noch von den Vasallen des Großkapitals der
Zoll-Protektionismus aufs Schärfste verurteilt,
deshalb darf natürlich auch die damalige
Erfolgsstory sich nicht ins Bewusstsein der Bevölkerung
einnisten.
Der
zweite gewichtige Grund für die Ablehnung des
Zoll-Protektionismus ist die Tatsache, dass es nun einmal
die Nazidiktatur war, die ab 1933 in Deutschland das
Riesenproblem der Massenarbeitslosigkeit gelöst hat.
Eine objektive Aufarbeitung der Vorkriegspolitik des
Hitlerregimes findet leider nicht statt.
Angesichts der starren Verdammniskultur ist es eigentlich
ein Wunder, dass wir heute noch Autobahnen bauen und einen
sozialen Wohnungsbau fördern.
Breite Volksmassen sind nun einmal ideologisch recht
unbedarft (weil ihnen im hektischen Alltag die Zeit fehlt,
sich differenziert zu informieren oder weil sie einfach kein
Interesse dafür zeigen) und deshalb leicht
beeinflussbar bzw. verführbar (selbst wenn es um eine
gegen das eigene Volk gerichtete Volksverhetzung
geht).
Diese Angst scheint mir nicht unbegründet. Es wäre
tatsächlich fatal, wenn die unentschuldbaren und
unbegreiflichen Nazi-Greuel mit positiven Aspekten
"verrechnet" würden.
Würde
eingestanden, dass Hitlers Bekämpfung der
Massenarbeitslosigkeit weit erfolgreicher war als die seines
Vorgängers Brüning (der eine strikte
Deflationspolitik, also Verknappung des Geldes, betrieb),
könnte man die damaligen Wähler Hitlers nicht mehr
in gewohnter Form diffamieren.
Unterschwellig heißt es auch heute noch, "die
Deutschen haben den Krieg gewollt und angefangen" und "die
Deutschen haben genau gewusst, was Hitler im Schilde
führte".
Denn würde man einräumen müssen, dass Hitlers
Wahlprogramm 1933 im damals alles entscheidenden
wirtschaftlichen Bereich durchaus logisch und
überzeugend klang und ein Drittel der Bevölkerung
in ihrer großen Not eben den Mann wählten, dem
sie am ehesten eine Überwindung des Massenelends
zutrauen konnten.
Zwar hat Hitler auch in der Öffentlichkeit aus seiner
Judenverachtung und seiner abgehobenen Rassenideologie
keinen Hehl gemacht, aber auch hier konnte der Wähler
kaum erahnen, was damit konkret gemeint war. Wohl niemand
hätte sich damals vorstellen können, dass die
600.000 Juden in Deutschland auch nur annähernd so
verunglimpft, benachteiligt und entehrt werden könnten
wie zu gleicher Zeit die 20 Millionen Schwarzen in den USA.
Die Deutschen waren schließlich ein "Kulturvolk" -
eine Menschenverachtung wie in den USA war jenseits jeder
Vorstellungskraft. (Mehr
dazu...)
Unterstellt
wird auch immer noch, dass Hitlers Konjunkturprogramm alles
andere als menschenfreundlich war und in Wahrheit nur seinen
geheimen Kriegsplänen diente. Diese Darstellung halte
ich für sachlich unhaltbar.
Wenn man es will, kann im Nachhinein nahezu jedes
gutgemeinte Konjunkturprogramm als verkappte Aufrüstung
deklariert werden.
Anstelle dieser Aufrüstung hätte Hitler aber
genausogut den privaten Konsum beleben können - der
Erfolg der protektionistischen Wirtschaftspolitik wäre
der gleiche geblieben.
Worauf ich hinaus will: Die Aufrüstung hat wenig bis
nichts mit der Wirkungsweise des grundsätzlich
richtigen Wirtschaftskonzeptes zu tun (Zoll-Protektionismus
und Konjunkturprogramme zur Überwindung der
Depression).
Mit
welcher Verzweiflung versucht wird, den Erfolg des
Nazi-Konjunkturprogramm in der Weltwirtschaftskrise zu
negieren, erkennt man sehr gut an der beliebten
Unterstellung, die staatliche Wirtschaftsförderung war
unverantwortlich und unbezahlbar und hätte zum
Staatsbankrott geführt, wäre nicht der Krieg
dazwischengekommen.
Die Staatsverschuldung war also hauptsächlich eine
interne deutsche Angelegenheit - wäre das Geld
tatsächlich in Friedenzeiten knapp geworden, hätte
die Nazidiktatur lediglich die Geldmenge oder Steuern sanft
anheben müssen.
Gerade
in heiklen Bereichen scheint mit eine objektive Darstellung
zwingend notwendig. Eine seriöse geschichtliche
Aufarbeitung kann nicht gelingen, wenn Kritiker unliebsamen
Fragen feige ausweichen und damit verfälschenden
Darstellungen und Vorurteilen weiter Vorschub
leisten.
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue
Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.